Leben, Tod, Worte

Unsere Expedition beginnt an jenem Punkt, an welchem wir uns der Unmöglichkeit gewahr werden, einen Zugang zum Realen zu finden. Und das inmitten von Leben, inmitten von Tod, umgeben von Worten.

Betrachten wir Leben und Tod vor dem Hintergrund dieser Unmöglichkeit, so werden diese zu etwas Abstraktem, welchem unsere gelebte Erfahrung vorausgeht.

Folglich ist keine einzige unserer Erfahrungen durch philosophische Abstraktion greifbar zu machen. Betrachten wir unsere Erfahrungen als unilateral durch das Reale bestimmt, so ist es uns selbst nicht möglich, das Reale zu bestimmen bzw. unsere Erfahrungen durch die Formung von Worten erlebbar zu machen.

Erfahrungen sind real. Worte sind real. Nichts daran ist falsch. Die Frage ist, wie wir diese in Beziehung zueinander setzen, und welche Rolle das Reale dabei spielt.

Leben, Tod, Worte. Was nun? Die lediglich in eine Richtung verlaufende Verbindung vom Realen zu unseren Erfahrungen zeigt die Sinnlosigkeit unseres Zwangs, die andere Richtung einzuschlagen und zu versuchen, das Reale zu bestimmen. Von uns zum Realen besteht ein radikaler Schnitt. Selbst die agnostische Bestimmtheit des Realen, einzuräumen, dass wir nicht wissen, nötigt uns ein Wissen über das Reale auf. Ein Wissen in Form von Nicht-Wissen.

Also was ist es, das durch diese unilaterale Bestimmtheit zur Strecke gebracht wird? Es ist unsere Neigung, unsere Erfahrungen durch unseren Versuch zu beschränken, das Reale zu bestimmen. Diese Neigung sehen wir in der Philosophie und in der Literaturtheorie, um zwei Beispiele zu nennen. Es gibt Philosophen die versuchen uns glauben zu machen, dass sie das Reale begreifen. Es gibt Literaturtheoretiker die versuchen uns glauben zu machen, dass sie über den Inhalt eines bestimmten Textes genau Bescheid wissen.

Solche Philosophen und Literaturtheoretiker leben eine bestimmte Art aus etwas hervorzubringen, und zwar in der Form der Produktion. Gibt es eine andere Form, etwas hervorzubringen?

Es ist jene Form der Schöpfung und Erfindung. Schöpfer und Erfinder bewegen sich inmitten der kaleidoskopischen Fülle von Erfahrungen. Anstatt sich zwanghaft damit zu beschäftigen, wie sie das Reale in einer ausschließlichen und absoluten Art bestimmen können, versuchen sie gerade eben nicht, Grenzen zu überwinden, welche unüberwindlich sind.

Schöpfer und Erfinder beenden die Beschneidung von Erfahrungen, egal ob diese Beschneidung in einer philosophischen oder anderweitig theoretischen Art daherkommt.

Wir benötigen nicht zwingend Philosophen und Literaturtheoretiker, die uns ihre Geschichten über die Bestimmtheit des Realen predigen.

Wir haben die Möglichkeit, die Vielfalt unserer Erfahrungen auf kreative und erfinderische Art auszuleben. Inspiration erhalten wir durch einen Überfluss von Schöpfern und Erfindern.

In meinem Fall sind diese Inspirationen momentan Thomas Ligotti, Bruno Schulz, Thomas Bernhard und Stefan Grabiński.

Der Ausschluss des Realen – eine künstlerische Haltung.

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© Aeron Alfrey

Erstveröffentlichung: Unbuddhist

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